Bootfahren für Anfänger

von Thomas Klapschus

Eigentlich schaffe ich es ja auch selbst Fahrtberichte zu erstellen. Bei dieser Tour jedoch kam mir die Idee den Spieß mal umzudrehen. Ich habe Romina, die bisher noch keine Erfahrung mit dem Paddeln hat, gebeten einen Erfahrungsbericht zu schreiben. Zu meiner eigenen Überraschung hat sie Ja gesagt. Vom Ergebnis bin ich so begeistert, dass ich dieses auch mit euch teilen möchte. Leider haben wir auf dieser Tour nichts mit gehabt um Bilder zu machen. Also dürft Ihr gerne eure Fantasie bemühen und ich gelobe Besserung, beim nächsten mal wieder Bilder vom paddeln mit zu bringen... Genug der Vorrede!

Boot fahren für Anfänger – oder wie infiziere ich einen Laien mit Paddel-Fieber

Strahlender Sonnenschein, knapp 30 Grad und ein freier Nachmittag... ...für viele liegt da Nahe was zu tun ist: ab aufs Wasser und den Kopf frei bekommen. Meine Erfahrungen was das Element Wasser angeht sind da allerdings sehr überschaubar und gingen bisher nicht über Schwimmen und gelegentliches Surfen hinaus. Was soll schon so besonderes daran sein mit einem Boot durch die Weltgeschichte zu paddeln? Aber da hatte ich mich wohl getäuscht...

Mit der Frage "hast du Lust paddeln zu gehen" hätte ich rechnen können. Trotzdem war ich überrascht, fand die Idee aber auch schön. Es lockte schließlich ein interessanter Nachmittag und auch das geplante Picknick ließ mich hellhörig werden. Gesagt getan....gegen Nachmittg fallen wir im Bootshaus ein um alles Erforderliche im und auf dem Auto zu verstauen. Diskussion über die Notwendigkeit von Schwimmwesten natürlich eingeschlossen schaffen wir es eine Weile später wieder auf die Straße und machen uns auf den Weg nach Haltern.

Während wir ausladen und alles zum Wasser tragen werde ich nun doch langsam nervös. Auf was habe ich mich da eingelassen? Als ich das Boot auf dem Wasser so betrachte und mir anhöre wie ich heil rein und auch wieder rauskomme erschließen sich so langsam Dinge wie: wasserdichte Tasche für Wertsachen, Schwimmwesten und Wechselklamotten (meine liegen sorgsam gefaltet im heimischen Kleiderschrank). Sieht doch wackeliger aus als ich vermutet hatte. Ich versuche mir erstmal nichts anmerken zu lassen.

Funktioniert noch exakt für die nächsten 3 Minuten.

Dann halte ich völlig unbeholfen das Paddel in der Hand und versuche in geübter Erbsensuppe-Umrühr-Manier das Gefährt in Bewegung zu setzen und dabei nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Die Augen fest aufs Wasser gerichtet, das Ziel nur nicht aus den Augen verlieren und den Angstschweiß auf der Stirn wage ich kaum nach hinten zu sehen und mir die Technik nicht zur erklären zu lassen. Ich riskiere also einen Blick und entscheide, dass dies eine zu lösende Aufgabe zu werden scheint.
Die nächsten 3 Kilometer stehen also ganz unter dem Motto "Haltung bewahren". Ich finde nur wenig Zeit mir die langsam vorbeiziehende Landschaft zu meiner Linken und Rechten anzusehen. Kurze Zeit später heißt es aber auch schon "aussteigen", "Boot aus dem Wasser", "wir setzen um". Das lang ersehnte Picknick rückt in greifbare Nähe.

Irgendwo, mitten im Nichts, nur mit der Gesellschaft der  Tiere auf auf der angrenzenden Weide und den damit verbunden leisen Nebengeräuschen breiten wir unsere Decke aus und vergessen bei interessanten Gesprächen und einem Glas Wein die Zeit.

Irgendwann beginnt die Sonne langsam damit ihren Dienst für den Tag einzustellen. Mit einem beeindruckendem Farbspiel in orange, gelb und rot begleiten sie die Wolken in einem Schlafrock aus blau und lila langsam hinter die Bäume. Zeit für uns aufzubrechen. Vorsichtig setzen wir das Boot auf die Lippe und sind kurze Zeit später wieder unterwegs.

In der Pause scheint das Gehirn an den Körper gemeldet zu haben, wie das so mit dem paddeln funktioniert. Ich habe den Dreh raus. Ich könnte hüpfen vor Freude entscheide aber schnell, dass dies vermutlich nicht unbedingt eine gute Idee ist. Aber innerlich juble ich vor Freude. Ich verstehe langsam was Thomas meinte als er mir fast schon mit kindlicher Euphorie und einem leuchten in den Augen von seinem Hobby erzählte.

Nach und nach entspanne ich mich.... ja, ich fühle mich tatsächlich wohl und genieße was um mich herum passiert. Sunsetrun hatte er es genannt. Und er hat nicht Zuviel versprochen. Die letzten vorwitzigen Sonnenstrahlen tauchen das Wasser und die Landschaft in ein friedliches Licht. Es wird ruhig im Boot, jeder geht seinen eigenen Gedanken nach. Ein angenehmes Schweigen. Das Boot gleitet in absoluter Stille über das Wasser, zu hören sind nur die wenigen Tropfen die vom Paddel wieder aufs Wasser kommen.

Wie leise bemerke ich wenig später als wir zwei Enten erschrecken die empörend aufschnattern und wegfliegen als wir mit dem Boot schon direkt neben ihnen auftauchen. Ich staune....das ist Natur pur. Die Lippe nimmt uns mit, trägt uns durch die Abenddämmerung. Zwei Fischreiher begleiten uns eine Weile. Warten hinter der nächsten Kurve um dann wieder vorweg zu fliegen. Herr oder Frau Nutria nutzt die Abenddämmerung zur Futtersuche, taucht vor uns auf und verschwindet kurze Zeit später am Ufer irgendwo zwischen den Wurzeln einer der vom Wasser gezeichneten Bäume die weit ins Wasser hineinragen.

Alles wie selbstverständlich. Wir sind mitten in der Natur, trotzdem fühle ich mich nicht wie ein Eindringling.  Viel zu schnell kommen wir am Anleger an. Obwohl nicht mehr viele Minuten bleiben, bis das Tageslicht komplett verschwunden ist, hätte ich noch stundenlang so weiterfahren können. Einen besseren Start als Paddel-Anfänger hätte ich nicht haben können. Das Wetter und das Wasser waren auf unserer Seite und bei der Streckenwahl möchte ich Thomas eine gewisse Absicht unterstellen....da kann man ja nur mit Paddel-Fieber infiziert werden.

Den Nachmittag kann ich mit einem Wort zusammenfassen: Wow! Davon möchte ich mehr und freue mich aufs nächste Mal.

Romina & Thomas